Wir wissen es nicht

 

Kann KI ein Bewusstsein haben? Was macht uns Menschen im KI-Zeitalter aus? KI wirkt überall hinein, von der Medizin, der Industrie über den Journalismus, die Zukunft des Geldes, die Schule bis in nahezu jede Ritze unserer Gesellschaft. Ein Glück, dass in München die Vordenker, Visionäre und Skeptiker zum Austausch zusammenkommen. Eindrücke vom Festival der Zukunft 2026.

 

Noch vor einer Woche lag unerträgliche Hitze über der Stadt. Jetzt plätschert die frische Isar gemächlich um die Münchner Museumsinsel. Der hiesige Sommer zeigt sein freundlichstes Gesicht mit einer angenehmen Brise, Morgensonne und klarer Luft. Es scheint, es ist die perfekte Zeit, um Kopf und Geist in dieser in jeder Hinsicht aufgeheizten Gegenwart durchzulüften und mit frischen Gedanken zu versorgen. Und wo ginge das besser als beim „Festival der Zukunft“, wo im Rahmen einer zweitägigen Fachkonferenz Wissenschaftlerinnen, Künstler, Unternehmerinnen und Medienschaffende über nicht weniger als unser aller Zukunft verhandeln? Und Zukunft ist in diesen Tagen oft gleichbedeutend mit Künstlicher Intelligenz.

 

Veranstalter ist die IE9-Community. Der Ort der Konferenz könnte kaum besser gewählt sein. Das Forum der Technik mit seinem ehemaligen IMAX-Kino und dem Planetarium weckt Jugenderinnerungen an Schulausflüge in die Großstadt der Neunzigerjahre. Sie erinnern an damals faszinierende Neuheiten, die heute etwas angestaubt wirken, dafür aber ziemlich viel Charme ausstrahlen, im sonst so geleckten München. Nicht alle Toilettenräume sind funktionstüchtig, und auch der weltbekannte Blitz Club, der sich ebenfalls im Haus befindet, dürfte schon bald wieder Geschichte sein. Wie sieht sie also aus, unsere Zukunft mit der KI, wenn unser Erleben der Gegenwart vor allem von ewigen Baustellen, bröckelndem Putz und Nostalgie beherrscht wird?

 

Diese KI wollen wir nicht. Welche denn?

 

Einen nachdenklichen Ton setzt der KI-Forscher Björn Ommer von der LMU mit seiner Keynote zur Frage: Welche KI wollen wir eigentlich? Diejenige, die uns die Arbeitsplätze wegnimmt? Die KI, die uns immer dümmer macht, weil wir verlernen nachzudenken? Die uns immer mehr und schneller im Büro schuften lässt, uns abhängig macht, aber letztlich keinen echten Handlungsspielraum gibt? Oder jene KI, die die Macht in den Händen weniger Großkonzerne und Milliardäre konzentriert und durch Deepfakes, gefälschte Videos und halluzinierte Informationen Vertrauen zerstört und uns die Orientierung nimmt, was wahr und was falsch ist?

 

Nein, diese KI wollen wir wohl nicht. Und doch bekommen wir sie im Moment frei Haus geliefert, samt all ihren negativen Effekten. Die wirklich wertschöpfenden positiven Potenziale hingegen erfordern Entschlossenheit, so Ommer. Und so entfalten sich gerade zwei Zukünfte gleichzeitig: die Dystopie, aber möglicherweise eben auch die Utopie, wenn wir daran arbeiten. Die Frage ist, ob wir in der Lage sein werden, die KI nach unseren eigenen Vorstellungen zu gestalten, als zentralen Baustein unserer kritischen Infrastruktur, für beschleunigte Wissenschaft, Physical AI, personalisiertes Lernen oder medizinischen Fortschritt.

 

Wie und ob es uns als Menschheit gelingt, mit dieser Transformation richtig umzugehen? Wir wissen es noch nicht. Im Moment nutzen viele Unternehmen die KI vor allem, um schneller zu werden und Prozesse zu optimieren. Das lässt sich zwar messen, doch die Antwort auf die Frage, zu welchem Zweck eigentlich, scheint nicht immer klar zu sein. Offen sei deshalb, ob wir als Gesellschaft die nötigen Fähigkeiten entwickeln und den Mut für ein neues Mindset aufbringen. Schaffen wir es, mehr selbst zu denken, jetzt, wo Künstliche Intelligenz zu einer überall verfügbaren Ware geworden ist, für jeden zugänglich, schnell, skalierbar? Verstehen wir, dass es bei einer echten Transformation nicht möglich ist, auf jeden Schritt ein messbares „Ticket“ zu erhalten, wie es bei der bloßen Prozessoptimierung möglich ist? Entscheidend sei es bei Transformationen, darüber hinauszudenken und die Frage zu beantworten: Wo wollen wir hin? Und welchen Weg wollen wir gehen?

 

Ist Ruhe eine Zukunftstechnologie?

 

Es scheint also klar zu sein, dass wir uns als Gesellschaft, als Unternehmen, als Einzelne schon etwas mehr anstrengen müssen für eine KI, die wir wollen. Aber wie gelingt es, die weitverbreitete intellektuelle Faulheit zu überwinden? Als ein Rezept bringt der Philosoph und brand eins-Autor Wolf Lotter die „Ruhe als Zukunftstechnologie“ ins Spiel. Die Menschen würden heute einfach nicht mehr in Ruhe gelassen und so am Denken gehindert. Sie würden ständig unterbrochen, von Nachrichten auf allen Kanälen, in Großraumbüros, von Kickern und Tischtennisplatten am Arbeitsplatz. Wer ständig Lärm mache, versuche oft einfach, Macht auszustrahlen, das sei auch bei den Schimpansen so.

 

Dabei braucht Wissensarbeit, braucht das Finden von Lösungen doch vor allem eines: Ruhe. Diese wird jedoch gesellschaftlich kaum anerkannt. Im Gegenteil: Geschäftiges Tun gilt im Hinblick auf die Karriere noch immer als weitaus erfolgversprechender, als still am Schreibtisch zu sitzen.

 

Lotter spricht in diesem Zusammenhang vom „rasenden Stillstand“. Für ihn kommt die ständige Störung einer Sabotage der Arbeit gleich. Man sei heute regelrecht darauf trainiert, einfach mitzulaufen, ohne wirklich zuzuhören und wirklich voranzukommen. Dabei benötige die Wissenschaftsgesellschaft keineswegs in erster Linie Effizienz im Sinne von mehr Output in weniger Zeit, sondern vor allem Effektivität, also echte, substanzielle, verwertbare Ergebnisse. Nicht umsonst seien, so Lotter, die mittelalterlichen Klöster mit ihrer Wissens- und Schreibarbeit vor allem Orte der Stille gewesen und gerade dadurch zu einem Machtpfeiler der Kirche geworden. Der Appell lautet also: Ermöglicht wieder mehr Ruhe! Doch wie das im modernen Getriebe gelingen soll? Wir wissen es wohl noch nicht.

 

Den eigenen Energiepunkt finden in der komplexen Welt

 

Vielleicht kommt es am Ende vor allem auf den Einzelnen an, um in der komplexen KI-Welt mit ihren Risiken mental gesund zu bleiben. Ein Konzept hierzu stellt der Südtiroler Autor und Coach Martin Sagmeister vor. Er diagnostiziert eine immer komplexere Welt, in der unzählige Prozesse gleichzeitig, nicht linear und im ständigen Wandel begriffen sind, ganz ähnlich den Synapsen in unserem Gehirn. Das alles sei für den Verstand weder fassbar noch beherrschbar. Sagmeister zufolge ist diese zunehmende Komplexität ein Naturgesetz, das sich historisch in der Entwicklung der Welt beobachten lässt.

 

In der aktuellen, als Übergangsphase beschriebenen Zeit zerfallen traditionelle gesellschaftliche Ordnungen. Als Individuen stehen wir vor einer unüberschaubaren Zahl von Auswahlmöglichkeiten, haben gleichzeitig keine festen, etwa durch Kirchen oder Familie vorgegebenen Orientierungspunkte mehr. Ein Zurück gibt es nicht, auch wenn die Sehnsucht danach manchmal groß zu sein scheint, was die Populisten ausnutzen. Dabei ist die Transformation noch lange nicht zu Ende, und darüber hinaus fehlt noch eine verbindliche Leitidee für die Welt von morgen, so Sagmeister. Nach den großen Leitideen der Philosophie (Antike), der Theologie (Mittelalter) und der Naturwissenschaft (Neuzeit) wird heute sichtbar, dass die aktuell noch geltende Leitidee der Ökonomie nicht mehr richtig funktioniert. Was nun die Leitidee von morgen ist, sei noch nicht erkennbar.

 

Um mit dieser Komplexität umzugehen, schlägt Sagmeister vor, zunächst einmal zu erkennen, dass gleichzeitig die Singularitäten in der Welt zunehmen. Die Idee: Je komplexer ein System wird, desto mehr singuläre Punkte weist es auf. Dazu gehört, zu Ende gedacht, jeder einzelne Moment des Lebens. Deshalb sei es umso wichtiger, sich Zeit zu nehmen und den Blick nach innen zu richten. Es gelte, nach seinem Sinn zu suchen, ein Wort, das im Mittelhochdeutschen bezeichnenderweise „Weg“ oder „Reise“ bedeutete. Das Ich als Kompass in einer unverständlichen, nicht erfassbaren Welt: Kann das ein Teil der Lösung sein? Es gelte, zu reflektieren und Ordnung im eigenen Inneren zu schaffen. Was ist mein eigentlicher Energiepunkt? Wie werde ich mir meines Kerns bewusst?

Können Maschinen Bewusstsein erlangen?

 

Die Frage, ob auch Maschinen eines Tages Bewusstsein entwickeln können, kann derzeit niemand seriös beantworten, ist aber umso spannender und mit Ängsten behaftet, berührt sie doch eine noch grundlegendere Frage: Wer sind wir als Menschen überhaupt? Was macht uns im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz einzigartig, und woran messen wir künftig den Unterschied zwischen Mensch und Maschine?

 

Auftritt Joscha Bach. Der deutsche Kognitionswissenschaftler und KI-Vordenker aus dem Silicon Valley ist so etwas wie der heimliche Star des Festivals. Wo immer er auftaucht, bilden sich Grüppchen um ihn, Fans und Zuhörer, die seine Sicht auf die Zukunft verstehen wollen. In seinem Vortrag „Deus Ex Machina: Was passiert, wenn die Künstliche Intelligenz erwacht?“ widmet er sich der Frage nach dem Bewusstsein und macht dabei vor allem eines deutlich: Wir wissen bis heute nicht, was Bewusstsein eigentlich ist.

 

Ausgehend vom sogenannten „harten Problem“ des Bewusstseins stellt Bach verschiedene philosophische Positionen gegenüber, vom Physikalismus über den biologischen Naturalismus bis hin zum computationalen Funktionalismus. Ein Konsens existiert nicht. Bach selbst beschreibt das menschliche Gehirn als ein System, das die Welt nicht unmittelbar wahrnimmt, sondern ein inneres Modell der Welt und zugleich ein Modell des eigenen Selbst erzeugt. Unser bewusstes Erleben könnte die Innenperspektive einer solchen integrierten Selbstmodellierung sein.

 

Daraus ergibt sich auch die Frage, ob auch Künstliche Intelligenz ein Bewusstsein entwickeln kann. Ist Bewusstsein an biologische Gehirne gebunden, oder könnte es grundsätzlich auch auf anderen Substraten entstehen? Bach argumentiert: Entscheidend sei weniger das Material als vielmehr die Organisation eines kognitiven Systems. Aktuelle Sprachmodelle verfügten zwar über beeindruckende Fähigkeiten, besäßen jedoch weder ein stabiles Selbstmodell noch eine umfassende Motivationsarchitektur. Gleichzeitig müsse Künstliche Intelligenz den menschlichen Geist nicht zwangsläufig nachbilden. Während menschliche Intelligenz Wahrnehmung und symbolisches Denken verbindet, könnten zukünftige KI-Systeme völlig andere, möglicherweise deutlich leistungsfähigere Formen der Informationsverarbeitung entwickeln.

 

Am Ende führt Bach die Debatte jedoch auf eine andere Ebene. Die entscheidende Frage sei vielleicht gar nicht, ob KI eines Tages ein Bewusstsein entwickelt. Wichtiger könnte sein, ob Menschen gemeinsame Zwecke mit intelligenten Systemen verfolgen können, unabhängig davon, ob diese ein Bewusstsein besitzen. Denn Wissen und Intelligenz allein beantworten nicht die Frage nach den richtigen Zielen, dafür braucht es Motivation und Werte. Welche Orientierungssysteme entstehen also in einer Welt, die zunehmend von intelligenten Maschinen geprägt wird? Und wird es uns gelingen, diesen Systemen so etwas wie ein Herz zu geben?

 

KI-Texte, die Bedeutung simulieren, oder die Frage: Wann sind wir endlich da?

 

Doch was nützt das ganze Philosophieren über Bewusstsein, wenn die Alltags-KI, repräsentiert durch ChatGPT und Co., noch immer so eklatante Schwächen hat? Selbst das neueste Claude Fable 5 lässt sich mit einem einzigen Satz des Users in seiner Haltung vollständig umstimmen, wie der Journalist und KI-Podcaster Gregor Schmalzried in seinem Vortrag „Wann sind wir endlich da?“ eindrucksvoll demonstriert.

 

Einerseits sind die Fortschritte enorm, etwa bei der Videoproduktion. Andererseits geht es in manchen Bereichen kaum voran, zum Beispiel bei der Texterstellung. KI klingt oft einfach wie, nun ja, KI. Eine Textfigur wie „It's not just a trend, it's a …“ kommt heute offenbar viermal häufiger in Unternehmenstexten vor als noch vor zwei Jahren. Solche Texte simulieren Insights, wirken bedeutungsvoll, haben bei genauerem Hinsehen aber oft keine echte Bedeutung. Auch sonst gibt es Anzeichen der Ernüchterung. Warum gründet selbst Anthropic gerade eine Consultingfirma? Wohl kaum, weil das Kerngeschäft völlig reibungslos läuft. Auch in Deutschland wird KI inzwischen mehrheitlich kritisch gesehen. Andererseits ist das natürlich im Land der Skeptikerinnen und Skeptiker nicht ganz überraschend.

 

Vielleicht „verstecken“ sich die positiven Wirkungen von KI-Lösungen noch oder sind nur schwer zu erzielen, weil so vieles dafür neu gedacht werden muss. Es geht ja um weit mehr als ChatGPT und Co. Was müssen wir als Menschen dafür lernen und können? Die reine Reproduktion von Wissen beherrscht KI längst. Auch beim Transfer, also beim Verknüpfen und Vergleichen von Informationen, ist sie inzwischen weit. Bei Reflexion, kritischem Hinterfragen und der Erschaffung von Neuem, Unerhörtem bleibt der Mensch jedoch vorerst überlegen.

 

Die unmittelbare Frage ist vielleicht sogar dringender: Macht KI uns zu einer passiven Masse, die sich aufhetzen lässt, aber sonst nichts mehr will und nichts mehr tut, wir alle als Smartphone-Zombies vor unseren TikTok-Feeds? Oder gelingt es uns, KI echte Handlungsfähigkeit, Agency, zu geben, um mit Technologie tatsächlich Probleme zu lösen? Man fühlt sich an Sokrates erinnert. Je mehr wir wissen, desto mehr Fragen gibt es. Vielleicht brauchen wir einfach Geduld? Nach dem Platzen der Dotcom-Blase glaubten ja auch viele, das Internet werde wieder verschwinden, so Schmalzried. Und selbst nach der Erfindung des Autos dauerte es Jahrzehnte bis zum eigentlichen Durchbruch.

 

Warum sind wir eigentlich so ungeduldig?

 

Wäre da nicht die Ungeduld vieler, dass es mit der KI länger dauert als gedacht: Die negativen Wirkungen treten sofort ein, die positiven erst viel später. Mit Blick auf Deutschland ist diese Ungeduld vielleicht auch Ausdruck eines Landes mit Ewigbaustellen, lähmender Bürokratie und einer Kultur, in der Sicherheit oft wichtiger erscheint als Entscheidungen, in der man sich sicherheitshalber lieber anmotzt, als sich mit Humor zu begegnen.

 

Beim Mittagessen äußert eine Besucherin, wohlgemerkt eine Wissenschaftlerin, ihren Frust über langsame Entscheidungswege mit dem plötzlichen Satz: „Vielleicht wäre eine Diktatur doch die bessere Lösung.“ Auch auf Nachfrage bleibt sie bei der Aussage. „Ich hoffe, dass der Diktator dann nicht nur meine Wünsche erfüllt, sondern auch deine“, möchte ich entgegnen. Leider fällt mir das erst später ein.

 

Wie passend, dass die Journalisten Jannis Brühl von der Süddeutschen Zeitung und Lars Weisbrod von der DIE ZEIT auf der „Doom-", Verzeihung, "Dome Stage“ des ehemaligen Planetariums mit seiner Kuppel über den Akzelerationismus und seine Hintergründe aufklären. Der Akzelerationismus befürwortet die radikale Beschleunigung technologischer Entwicklung. Regulierung, demokratische Prozesse und Bürokratie gelten vielen Vertretern dieser Denkrichtung als Hindernisse. Manche berufen sich auf die „dunkle Aufklärung“ von Nick Land. Danach werde der Kapitalismus letztlich nicht sich selbst, sondern den Menschen zerstören, entweder durch dessen transhumanistische Umgestaltung oder durch seine Auslöschung zugunsten einer neuen Zivilisation aus Maschinen und Künstlichen Intelligenzen.

 

Figuren wie Peter Thiel oder Elon Musk werden von Brühl hier als Teil eines Milieus beschrieben, das Politik zunehmend nach den Prinzipien der Start-up-Welt denkt: schnell handeln, Bestehendes aufbrechen, staatliche Strukturen möglichst schlank halten. Diese Logik lässt sich jedoch natürlich nicht ohne Weiteres auf eine Demokratie übertragen. Demokratien beruhen auf Konsensbildung, Kompromissen, Rechtsstaatlichkeit und dem Schutz von Minderheiten. Diese Prozesse sind langsamer, für manche einflussreichen Tech-Oligarchen zu langsam und verzichtbar. Die Gefahr besteht darin, dass wirtschaftliche Macht und technologische Kontrolle genutzt werden könnten, um demokratische Institutionen zu abzuschaffen oder zu umgehen. Die entscheidende Streitfrage lautet: Wohin soll diese Beschleunigung eigentlich führen? Zu einem ungezügelten techno-kapitalistischen System oder zu einer technologisch fortgeschrittenen und zugleich sozial gerechteren Gesellschaft.

 

Das echte Leben

 

Mir schwirrt der Kopf. Viele offene Fragen. Draußen fließt die Isar unbeirrt weiter. Ich ziehe die Schuhe aus, Badehose an und tauche unter. Ein herrliches Gefühl, dieses kühle Wasser. Kurz verschwinden all die Gedanken über Bewusstsein, Agency, Akzelerationismus und die Zukunft der Künstlichen Intelligenz. 

 

Hier in der Isar liegen einige wichtige Antworten, denke ich. Dass Fortschritt nicht nur darin besteht, immer leistungsfähigere Technologien zu entwickeln. Sondern auch darin, gemeinsam zu handeln und die Bedingungen zu schaffen, dass ein Fluss mitten in einer Millionenstadt wieder so sauber werden konnte, dass Menschen darin baden können. Es war das Ergebnis von Wissenschaft, politischem Willen, technischen Innovationen und einer Gesellschaft, die sich darauf verständigte, den Fluss zu renaturieren.

 

Ob uns das auch bei der Künstlichen Intelligenz gelingt? Wir wissen es nicht. Genauso wenig, wie es momentan nur eine Hoffnung ist, ob wir die Flüsse, das Klima und die natürlichen Lebensgrundlagen auch für kommende Generationen bewahren werden. Beides wird davon abhängen, ob wir bereit sind, gemeinsam zu handeln. Vielleicht beginnt die Zukunft eben genau dort: Nicht bei der nächsten Version eines Sprachmodells, sondern bei der Entscheidung, welche Welt wir miteinander gestalten wollen.

 

 

Infotipps:

 

  • Björn Ommer: Wie Deutschland bei KI noch eine Chance hat (2025)
  • Jannis Brühl: Disruption: Die Ideologie der Tech-Oligarchen und das Ende der Demokratie, wie wir sie kennen
  • Martin Sagmeister: sagmeister.it
  • Gregor Schmalzried: Der KI-Podcast
  • Wolf Lotter: Digital erwachsen
  • Lars Weisbrod: Zahlen sind Waffen. Gespräche über die Zukunft

 

 

 Bilder: MJ